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Überschwemmungen
sind der Motor der Auenentwicklung. In Abhängigkeit der Abflussdynamik
im Rhein tritt Rheinwasser je nach der vorhandenen Geländestruktur
(Höhenverhältnisse) aus dem Gewässerbett aus, strömt
in Gewässer in der Rheinaue, überschwemmt mehr und mehr die
seitliche Flächen. Mit steigendem Wasserstand wird schließlich
der Raum bis zum Rheinhauptdeich überschwemmt, durchströmt.
Die Geländestruktur prägt die Überschwemmungsbedingungen
(Strömungsverhältnissse), wie die Strömungsverhältnisse
wiederum die Geländestruktur prägen. Gestaltende Teilaspekte
der Strömung sind die Häufigkeit, die Höhe, die Dauer und
der Zeitpunkt der Überschwemmung sowie die Strömungsgeschwindigkeit
in Verbindung mit den Schubspannungen, die ab einer bestimmten, vom Material
abhängigen Größe, Feinstkörner, Sand, Kies bis zu
ganzen Steinen abtragen (erodieren), transportieren und bei Unterschreiten
dieser Größe wieder ablagern (sedimentieren). Die rezente Überschwemmungsaue
ist einerseits Naturraum, ein Lebensraum für Flora und Fauna von
aussergewöhnlicher Artenvielfalt und an-dererseits ein vom Menschen
genutzter und im Sinne der Nutzungen umgestalteter Kulturraum, ein Lebens-
und Wirtschaftsraum für den Menschen. Heute ist der Rhein die wichtigste
internationale Binnenwasserstraße in Europa, am Rhein liegen Häfen
(für die Berufs-, andere für die Sportschiffahrt) sowie Kraftwerke.
In der rezenten Überschwemmungsaue in Rheinland-Pfalz wird Land-
und Forstwirtschaft betrieben, es finden sich vereinzelt Einzelhäuser,
einige Campingplätze und Wochenendhaussiedlungen für den erholungssuchenden
Menschen, Kieswerke und eine Vielzahl von Infrastruktureinrichtungen wie
Wege und verschiedene Leitungstrassen. Die verschiedenen Nutzungen beschränken
den Naturraum "Überschwemmungsaue" auf wenige Flächen
und sie behindern zudem auch seine natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Überschwemmungen sind der Motor der natürlichen Auendynamik, sie lassen überhaupt erst einen derartigen Naturraum entstehen. Überschemmungen bringen zudem den verschiedenen anthropogenen Nutzern Nutzen, aber auch Schaden, wobei in der Vergangenheit der Rhein im Sinne eines verbesserten wirtschaftlichen Nutzens durch den Menschen ausgebaut wurde. Heute finden sich demnach die Nutzungen in der rezenten Überschemmungsaue, bei denen, die einzelnen Nutzungen für sich betrachtet, der materielle Nutzen den Schaden überwiegt. Hierbei wird jedoch lediglich der monetäre Bewertungsmaßstab betrachtet und anderer, nicht monetär bewertbarer Nutzen, z.B. der Gewinn an Lebensqualität, bleibt unberücksichtigt. Als wesentliches Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der rezenten Überschwemmungsaue aus Sicht des Umgangs mit Überschwemmungen gilt es, möglichst viele räumliche Situationen zu entwickeln mit einem deut-lichen gesamtheitlichen Nutzen (ökologisch, ökonomisch und sozial) für alle Nutzer, also einem nachhaltigen Gewinn an Lebensqualität. Ziel muß es sein, die vorhandenen Potentiale effektiv zur zukunftsgerichteten Entwicklung/Förderung der vom Wasser geprägten Region mit seinen typischen Besonderheiten zu nutzen. Hierbei muß immer im Sinne der AGENDA 21 der Grundsatz der Nachhaltigkeit und die damit verbunde-nen Anforderungen an die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen im Vordergrund stehen. Der Nutzer bzw. der Nutznießer ist hierbei nicht nur der vor Ort lebende und wirtschaftende Mensch, sondern es ist auch der Oberlieger und es ist der Unterlieger, es ist die Solidargemeinschaft der Gewässeranlieger am rheinland-pfälzischen Rhein sowie auch am Mittel- und am Niederrhein. In den folgenden
Ausführungen werden auf der Basis einer Literaturrecherche und Gesprächen
mit Fachleuten Leitgedanken / Visionen für einen zukünftigen
Umgang mit Überschwemmungen entworfen. Anschließend erfolgt
eine Analyse, wie aktuell mit Überschwemmungen im Projektgebiet umgegangen
wird und welche Verbesserungsmöglichkeiten es vor dem Hintergrund
der Visionen gibt, im Hinblick auf eine Verminderung von Schäden
und einem Zugewinn an sowohl einzelnem, wie auch insbesondere ganzheitlichen
Nutzen. Abschließend erfolgen Hinweise auf weiterführende Literatur
und auf Experten (Institutionen, Personen). |