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Materialsammlung "Schonende Bewirtschaftung sensibler Niederschlagsflächen und Bachauen in der Waldwirtschaft"
PD Dr. habil. Gebhard Schüler
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Einleitung
Böden und Gewässer sind die Grundlagen des Lebens einer wachsenden Weltbevölkerung. Im Rahmen der Vorsorge für die kommenden Generationen ist es dringend geboten, Böden in ihrer Vielfalt und Wertigkeit zukunftsfähig und nachhaltig zu bewirtschaften, um den unterschiedlichen Flächen- und Funktionsansprüchen gerecht zu werden. Die internationale Staatengemeinschaft hat auf der Konferenz von Rio de Janeiro in der AGENDA 21 darauf hingewiesen, dass eine hohe ökonomische Funktionsfähigkeit der Böden stets auch mit einer hohen ökologischen und sozialen Funktionsfähigkeit verbunden sein muss.
Sollen Böden nachhaltig und ausgewogen bewirtschaftet werden, müssen dreierlei Zielsetzungen verfolgt werden:

1. Erhaltung und Entwicklung der ökonomischen Funktionsfähigkeit = Produktivität des Bodens
2. Erhaltung und Entwicklung der ökologischen Funktionsfähigkeit = Naturhaushalt des Bodens
3. Erhaltung und Entwicklung der sozialen und sozio-ökologischen Funktionsfähigkeit = Umwelt- und Lebensraumqualität des Bodens.

Im Rahmen der Forst- und Landwirtschaft, aber auch der Landesplanung und Siedlungsentwicklung muss ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Böden und ihren Funktionen für das Wasser gepflegt werden.
Das bedeutet:

- Niederschlagswasser muss an Ort und Stelle im Boden versickern können, Bodenoberfläche und tiefere Bodenhorizonte müssen durchlässig bleiben.
- Der pflanzenverfügbare Wasservorrat im Boden ist stets zu erneuern.
- Der Grundwasservorrat muss nachhaltig bewirtschaftet werden.
- Oberflächennahe Abflüsse und solche im Untergrund müssen gleichmäßig und verzögert abgehen, dies wird unterstützt durch den Bewuchs der Bodenoberfläche.
- Das Abflussgeschehen in die oberirdischen Gewässer muss gleichmäßig ablaufen, unterstützt durch wasserrückhaltende Geländestrukturen und Flächentexturen.
- Die Retentionsleistung in den Geländetiefenlinien, in Trockentälchen, in Bachniederungen und Bachvorländern muss erhalten und gefördert werden.

Der hydroökologischen Funktionsfähigkeit der Böden in bewaldeten Niederschlagsflächen und Bachauen wird dann im besonderen Maße Rechnung getragen, wenn sich die Bewirtschaftung an der Funktionsfähigkeit der natürlichen und naturraumtypischen Waldökosysteme orientiert. Waldbewirtschaftung heißt immer Flächenbewirtschaftung. Im Wald wird Niederschlag aufgefangen, verbraucht, gespeichert und zurückgehalten oder weitergeleitet.
Linienstrukturen in der Fläche (Erschließungslinien, Wege, Entwässerungsgräben, Drainagegräben etc.) dienen der Bewirtschaftung, sie leiten aber auch Wasser. Alles Wasser, das durch die schnelle Wiedereinleitung in die Flächen, durch eine standortgerechte Waldbewirtschaftung und durch die Erhaltung und Förderung von Kleinstrukturen im Wald zurückgehalten wird, entlastet bei der Entstehung von Hochwasserspitzen.
Die Landnutzung und die Inanspruchnahme der Landflächen hat in der Vergangenheit zu wenig ökologische Strukturen und Regelfunktionen berücksichtigt. Zu einseitig war die Nutzung auf die Steigerung und Maximierung der ökonomischen Leistungsfähigkeit ausgerichtet.
Gleichzeitig werden pro Tag noch immer 129 ha Böden durch neu hinzukommende Siedlungs- und Verkehrsflächen zerstört und degradiert.


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